Die mit den Zahlen tanzt. Im Gespräch mit Stefanie Amelung

Die mit den Zahlen tanzt. Im Gespräch mit Stefanie Amelung

Die mit den Zahlen tanzt. Im Gespräch mit Stefanie Amelung

Bevor Zahlen ihr Leben bestimmten, träumte Stefanie Amelung von der Bühne. Heute leitet sie den Finanzbereich der NetCologne GmbH und sorgt dafür, dass Kölns größter regionaler Telekommunikationsanbieter wirtschaftlich auf Kurs bleibt. Im Gespräch erzählt sie, was vom Musical-Traum geblieben ist, warum Prokura für sie mehr Verantwortung als Statussymbol bedeutet und wie sie Führung, Familie und Zahlenwerk unter einen Hut bringt.

Vom Rampenlicht ins Büro: Was ist vom Musical-Traum geblieben?

Mein damaliger Kindheitstraum war, leider, nicht durch Talent oder Erfahrung im Schauspiel oder Musical begründet, aber mich hat schon damals diese 100-prozentige Hingabe in eine Emotion und Verbindung zum Publikum komplett gefesselt. Zum heutigen Berufsleben gibt es für mich durchaus Parallelen: Wenn man für eine Sache 100 Prozent gibt und 'spürt', was man ausdrücken möchte, dann entsteht eine echte Verbindung und Glaubwürdigkeit.


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Wie kamen Sie zum Finanzwesen?

Eigentlich wollte ich ganz klassisch Marketing studieren, aber im Rahmen des Studiums habe ich erste Einblicke in Bilanzierung und Controlling erhalten. Die Themen haben mir unerwarteterweise wahnsinnig viel Spaß gemacht. Sie folgen einer klaren Logik, und man kann durch die richtigen Kennzahlen fast alle Themen greifbar ausdrücken und Entscheidungsprozesse unterstützen. Von da an habe ich dies als Schwerpunkt verfolgt und durfte über ganz unterschiedliche Stationen die Breite und Vielfalt des Finanzwesens kennenlernen.

Was bedeutet Ihnen die Prokura?

Die Prokura bedeutet mir vor allem großes Vertrauen unserer Geschäftsführung und ein erforderliches Verantwortungsbewusstsein bei entsprechenden Entscheidungen. Ich denke nicht, dass sich die Wahrnehmung großartig ändert, und das ist für mich auch keine relevante Perspektive. Am Ende entscheidet mein Handeln.

Was macht Finanzsteuerung bei NetCologne besonders spannend?

Die Telekommunikationsbranche ist aus Finanzsteuerungssicht absolut spannend mit ihrem sehr breiten Steuerungsfokus. Angefangen bei regulatorischen Rahmenbedingungen und politischen Entwicklungen über große Investitionssummen, die zurückverdient werden müssen, bis hin zur direkten Wirksamkeit von Maßnahmen beim Kunden. Zudem spielt auch in unserer Branche das wachsende Kostenbewusstsein auf Kundenseite und das Erfordernis zur Differenzierung zu unseren Wettbewerbern eine große Rolle.

Welcher Moment hat Sie am meisten geprägt?

Vor einigen Jahren habe ich die Chance bekommen, ein Führungskräfte-Tandem mit einer anderen weiblichen Führungskraft von null auf zu gestalten. Wir haben dafür eine Coach zur Seite gestellt bekommen, die mit uns gemeinsam unsere Vision, unsere Rahmenbedingungen und vor allem unsere Leitlinien entwickelt hat. Unsere gemeinsame Chefin hat uns damals den kompletten Gestaltungsspielraum überlassen und sich kein einziges Mal eingemischt. Am Ende konnten wir beide ein neues Führungsmodell als Pilot in die Realität umsetzen, das wir zu 100 Prozent vertreten und gelebt haben. So konnten wir zeigen, dass es auch anders gehen kann als nur mit klassischen Rollen- und Funktionsbildern. Damit haben wir wirklich etwas verändert und das hat mich nachhaltig geprägt.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Ich starte meist sehr früh in den Morgen und sortiere meinen Tag bereits zuhause bei einem ersten Kaffee ganz für mich in Ruhe, bevor ich dann ins Büro fahre, bei gutem Wetter auch immer gerne mit dem Rad. Im Büro habe ich meistens sehr viele Termine, da ich den persönlichen Austausch sehr schätze und im Gespräch oft nochmal neue Impulse oder Perspektiven entstehen, die man allein im Büro oder Homeoffice so nicht bekäme. Wenn möglich, verbringe ich die Mittagspause mit meinem Bereich oder mit Kollegen und versuche dann am Nachmittag, ein paar meetingfreie Zeiten zu finden, um E-Mails zu lesen oder Themen zu bearbeiten. Mein Ziel ist es immer, zum Abendessen mit meiner Familie zuhause zu sein und mir dann auch bewusst die Zeit für das Privatleben zu nehmen.

Familie und Karriere. Wo liegen die größten Herausforderungen?

Die Position einer Bereichsleitung bringt ein großes Aufgabenspektrum und eine hohe Verantwortung mit sich, die man oft nur schwer in starre organisatorische Rahmen pressen kann. Manchmal ist aber genau der erforderlich, um auch das Privatleben, vor allem mit Kindern, zu ermöglichen. Bei NetCologne erlebe ich diesbezüglich eine große Freiheit, der beruflichen Verantwortung gerecht zu werden und gleichzeitig Mutter von zwei Kindern sein zu können. Das ist nicht selbstverständlich. Es gibt sicherlich Berufe, bei denen man fester an vorgegebene Zeiten gebunden ist. Ich selbst fokussiere mich auf das Ergebnis und nicht auf den genauen Weg dahin: Wenn die Einstellung und der Einsatz stimmen, kommt es am Ende nicht auf ein festes „Wann" und „Wo" an.

Wie würden Sie Ihren Führungsstil beschreiben?

Ich war immer schon motiviert, Dinge wirklich zu verstehen und dann auch in der Praxis umzusetzen. Dazu gehe ich gerne mit Menschen aus unterschiedlichen Disziplinen in den Austausch und möchte die Perspektive der anderen Seite verstehen. Zudem sind ein respektvoller Umgang, eine offene Kommunikation und der Blick auf den Menschen hinter der Position für mich wichtige Werte und Leitlinien, die meine Arbeitsweise stark prägen.

Kurz und knapp würde ich meinen Führungsstil als in der Sache klar und im Miteinander kooperativ beschreiben. Am Ende sollte im besten Falle ein gemeinsames Verständnis und eine für alle Seiten akzeptable Lösung stehen.